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Sexlosigkeit in jungen Beziehungen

Sexlosigkeit in jungen Beziehungen

1.7.15

Eines DER Themen von jungen Paaren, die in meine Praxis kommen, ist vielleicht überraschenderweise ein Mangel oder häufig auch komplettes Ausbleiben von Sexualität. Viele Paare haben dabei die (unausgesprochene) Idee, dass man da nicht viel dran machen kann und dies auf die Dauer unvermeidlich zu sein scheint. Silke und Jochen kommen in meine Praxis, beide in den Zwanzigern, und haben seit 2 Jahren keinerlei Sex mehr. Ansonsten würden sie sich blendend verstehen. Silke sagt sie "würde gerne", Jochen eigentlich auch, aber er wirkt auch sehr distanziert. Der Grund dass die jetzt kommen ist: Jochen ist angeflirtet worden und hat gemerkt, dass er gerne drauf eingehen würde, dass es dort "kribbelt". Gründe für den fehlenden Sex können Sie kaum nennen, außer eine mehrmonatige körperliche Erkrankung von Silke. Tatsächlich gibt es allgemein nur eine beschränkte Anzahl Gründe, warum es keinen Sex mehr gibt. Die Beziehung kann sich komplett überlebt haben, es gibt Vertrauensprobleme, es ist eine bindungsgestörte Beziehung, der Respekt ist verloren gegangen: dies sind typische Gründe. Es gibt aber vor allem zwei weitere, die fast immer eine Rolle spielen: Der Mann wirbt nicht mehr um die Frau und die Polarität zwischen Mann und Frau geht verloren. Für den sexuellen Teil einer Beziehung braucht es die Spannung zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen, Reibung, das Spüren der Kraft des anderen. Jochen hat quasi aufgegeben, als Silke in der Phase der Krankheit keinen Sex wollte. Beide gehen auch nicht mehr aus zusammen. Man hofft dann, dass es irgendwie von selber besser wird - was aber nie passiert. Tatsächlich führt das "laufenlassen" zu immer weniger Polarität und damit nie zu Sex. Die beiden bekommen von mir eine Hausaufgabe. Sie sollen wieder das machen, was sie zum Start ihrer Beziehung gemacht haben. Ausgehen, Spaß haben…und dann schauen was passiert….einfach wieder "daten". Ich erkläre Jochen, dass er ewig darauf warten kann, dass Silke den ersten Schritt macht. Das er wieder Sex initiieren muss, ein Risiko eingehen muss, um sie werben soll, vielleicht sogar respektvoll Sex einfordern. Wir vereinbaren zwei Einzeltermine, wo ich schauen will ob es noch tieferliegendere Probleme gibt. Schon am nächsten Tagen bekomme ich eine Mail von Jochen. Er hat sie noch am gleichen Abend ausgeführt, sie hatten eine tolle Zeit, sind nach Hause gekommen, und….hatten plötzlich Sex. Der auch noch richtig gut war. Er kann sich das selber kaum erklären, ist aber begeistert. In den Einzelgesprächen zeigt sich nichts wirklich gravierendes. Ich erkläre Silke, dass sie Jochen nicht überbelasten soll mit ihren Problemen und Sorgen, was sie recht gerne macht. Ich erkläre Jochen, dass es wichtig ist, dass er mehr "männliches" Verhalten zeigt. Auch mal zeigen wenn ihm etwas zuviel wird und vor allem zu seinen Bedürfnissen stehen, insbesondere seinem sexuellen Interesse an ihr. Nachdem es einmal so gut war mit dem Sex, gibt es den in jeder Paartherapie gewünschten Schneeballeffekt: Sie verstehen sich besser, fühlen sich sicherer…und haben mehr Sex. Jochen hat seine Distanziertheit aufgegeben. Es gibt noch einen Kontrolltermin, aber es sind keine weiteren Sitzungen nötig. Manchmal sind Lösungen so nah!
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