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Rote Flaggen narzisstischer Beziehungen

Wenn ich Klienten sehe, denen es in oder nach einer Beziehung extrem schlecht geht, die regelrecht traumatisiert sind und unablässig nachdenken darüber, dann waren sie sehr häufig in einer Beziehung mit einem Menschen mit narzisstischen Anteilen. Diese Beziehungen sind geprägt von Angst, Unvorhersehbarkeit, enttäuschten Erwartungen und kurzen Phasen von Hochgefühl.
Ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen, was problematische Persönlichlichkeitsanteile angeht, kann man sagen dass solche Partner einen hohes Maß an Egozentrik, Selbstbezogenheit, mangelndes Mitgefühl und Kühle mitbringen. Leider sind diese Eigenschaften oft verdeckt hinter einer scheinbaren Grandiosität und viel Charisma. Noch dazu gibt es "verdeckte" Narzissten, die all diese Dinge hinter einen sehr verletzlich wirkenden Fassade verstecken. Auch Narzissten leiden an sich selbst - leider fehlt oft die Einsicht, an diesem Muster etwas zu verändern.
In schöner Regelmäßigkeit finden wir auf der anderen Seite Menschen, die besonders nett, empathisch, großzügig sind, aber auch sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse kaum wahrnehmen und sich in solchen Beziehungen völlig verlieren. Diese Verbindungen gehören zu den schmerzhaftesten (teilweise auch für beiden Seiten) die ich sehe. Wie kann man sie vermeiden? Leider starten diese Beziehungen besonders furios, mit intensiver Chemie, das Gefühl den „Einen“ getroffen zu haben, und massiver Verliebtheit. Es ist ein extremer Fall von „Gegensätze ziehen sich an“.
Es gibt aber typische Warnzeichen solcher Beziehungen, an denen man vielleicht doch rechtzeitig merkt, dass man auf dem falschen Pfad ist. Zunächst einmal gibt es das „Liebes-Bombardement“, eine Art Idealisierung in der frühen Beziehungsanbahnung. Ohne sich wirklich zu kennen, wird man auf ein Podest gehoben, es gibt Liebesschwüre, endlose SMS-Ketten, Kompliment reiht sich an Kompliment. Dazu gesellt sich das „Vorspulen“, das rasend schnelle durchlaufen von ersten Beziehungsphasen (insbesondere was Sex angeht). Das verstärkt den Eindruck, den Richtigen gefunden zu haben. Diese Phase ist das aber „Beste“ was die Beziehung zu bieten hat, es ist als ob man mit dem Dessert anfängt - danach geht es leider meist nur noch bergab. 
In der nächsten Phase setzt Kritik ein. Dies kann alles betreffen, wie man sich anzieht, seinen Haushalt führt, wie man isst, einfach alles ist möglich. Schmerzhaft wird einem das Podest wieder entzogen und man fällt recht hart auf den Boden. Zunächst kann man es vielleicht nicht recht fassen - und versucht den Partner wieder für sich zu „gewinnen“, um wieder in die schöne Anfangsphase zu kommen. Auf einmal scheint sich dieser aber immer mehr zu distanzieren, und unter Umständen kommt auch Eifersucht ins Spiel, weil man sich einfach nicht mehr sicher fühlt. Oft sind solche Partner auch gar nicht wirklich verfügbar, man ist vielleicht in einem Beziehungsdreieck verfangen, es gibt Suchtprobleme, oder er/sie bekennt sich schlicht nicht wirklich zur Beziehung. Dies bemerkt man daran, dass andere Menschen trotz aller Liebesschwüre scheinbar wichtiger sind, oder die Arbeit immer vorgeschoben wird oder oft auch nicht gemeinsam Feste miteinander verbracht werden.
Nun beginnt man vielleicht nach und nach diese nie stattfindenden Meilensteine einer Beziehung einzufordern - und trifft auf die vielleicht schmerzhafteste Vermeidungsstrategie, das „Luftschlösser bauen“. Es gibt Versprechungen, dass sich alles ändert - aber bitte erst in der ZUKUNFT. Diese nie einbehaltenden Versprechen dienen dazu, im hier und jetzt das zu bekommen, was ich gerne die „Nebenleistungen“ von Beziehung nenne: Sex und Aufmerksamkeit. Wenn es doch mal zu einem der seltenen Gespräche über diese Dynamiken kommt (was schwer herzustellen ist), kann man sich sicher sein, dass man selber immer die Schuld bekommt. Häufig kommt es auch zu vielen kleinen Lügen und Verdrehungen von Tatsachen, die ein Gefühl von extremer Unsicherheit und Zweifeln an der eigenen Wahrnehmung auslösen.
Die finale Phase ist dann häufig eine abrupte Trennung, die von beiden Seiten ausgehen kann. Aber damit ist leider die dysfunktionale Dynamik häufig nicht beendet. Nach einer Distanzphase mit hier interessanterweise oft heftigsten Liebeskummers kommt das Paar häufig wieder zusammen, man durchläuft den ganzen Zyklus wieder, aber diesmal mit einer deutlich kürzeren Honeymoon Phase. Dies geht solange, bis einer oder beide meist völlig erschöpft und demoralisiert aufgeben.
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