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Herausforderung Patchwork

Der Friendzone entkommen

01.12.15


Für viele Männer (aber auch Frauen) ist die sogenannte „Freundeszone“ ein Ort, an dem sie nicht sein wollen, aber in ihrem Leben vielleicht schon viel zu oft waren. Der Begriff kommt vom englischen Wort ‚friend zone’, der zuerst in einer englischen Serie benutzt wurde. Es bedeutet, dass man mit einem Menschen, für den man ein romantisches Interesse hat, „nur“ befreundet ist (oder sogar noch viel weniger). Es kann auch sein, dass man einen spannenden Kandidaten kennen lernt, es scheint auch in Richtung Annäherung zu laufen, und plötzlich heißt es „lass uns doch lieber Freunde bleiben, ok?!“. Man rätselt, wodran es liegt und was bloß schon wieder passiert ist….
Dieses Phänomen tritt zum Beispiel auf, wenn man mit jemanden ausgeht der kein hohes Anfangs-Interesse hat (Frauen wissen noch spätestens 30 Sekunden, ob sie sich grundsätzlich vorstellen können, mit einem Mann ins Bett zu gehen). Noch viel öfter ist die Freundschaftszone aber das Ergebnis davon, dass man „zu viel“ gemacht hat. Zu viele SMS, zu viele Anrufe, zu viele zu frühe Liebesbekundungen.
Luis meldet sich bei mir zu einer Skype-Video Sitzung. Er trifft sich seit wenigen Wochen mit Leonie und kommt einfach nicht recht weiter. Sie hätten sich auf einer Online-Plattform kennen gelernt. Er fühle sich inzwischen sehr verliebt. Er tut das, was man in vielen Filmen sieht, was in der Realität aber leider nicht gut funktioniert. Luis ruft Leonie jeden Tag an und will sie immer wieder treffen. Er zahlt grundsätzlich für aufwändige Essen und macht ihr kleine Geschenke. Seitdem er gemerkt hat, dass sie zunehmend zögernder eingeht auf ihn, macht er aus Verlustangst noch mehr und schreibt auch viele emotionale SMS. 
Ich bespreche mit ihm, dass es oft am Anfang Zeit braucht für den anderen, Gefühle zu entwicklen. Das man den anderen auch mal vermissen muss, um zu merken wie wichtig er vielleicht schon ist. Und dass die permanente Aufnahme von Kontakt für Luise ungewollt wohl eher Verzweiflung, Ungeduld und niedrigen Selbstwert ausdrückt. Deshalb verhält sich Leonie zunehmend unklarer und zögerlicher. Luis zweifelt daran, dass sich etwas zurück ziehen und weniger machen hilft und will erstmal noch schauen, wie sich die Dinge weiter entwicklen. Nur eine Woche später kommt aber, was kommen musste: Leonie bittet Luis zu einem Gespräch und fragt ihn, ob sie nicht einfach Freunde bleiben könnten. Es würde nicht genug kribbeln. Außerdem würde er SMS schreiben „wie ihre Freundin“. Luis sucht mich schockiert wieder auf. An dieser Stelle hilft nur noch, Leonie freundlich ganz klar zu machen, dass das für einen nicht in Frage kommt und das er den Kontakt dann lieber ganz beendet. In dem Luis ihr nicht weiter hinterher läuft, demonstriert er Stärke und Selbstwert. Er zeigt, dass er für seine Ziele einsteht. Er sagt ihr das alles einen Tag später und geht traurig davon aus, dass die beiden sich nie wiedersehen. 
Um so größer ist seine Verwunderung, als sich Leonie schon drei Tage später wieder meldet, zunächst mit einer scheinbar belanglosen SMS. Er wartet noch etwas ab, und ruft sie dann nach weiteren SMS schließlich an. Er fragt sie einfach, ob sie ihn wieder treffen will, und sie sagt ja dazu. Sie wünscht sich, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Und tatsächlich treffen sich die beiden bald wieder inklusive Romantik und Sex. Diesmal achtet Luis aber darauf, ihr Zeit zu geben und den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen!

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