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Der attraktive Mann

Der attraktive Mann

18.9.15

Wenn man den Begriff Paarberatung hört, denkt man in der Regel an Kommunikationsübungen oder vielleicht sogar tiefenpsychologische Analysen. All das spielt natürlich eine Rolle....aber je länger ich meinen Job mache, desto mehr komme ich zum ganz Offensichtlichem. Wenn zwei Menschen sich nicht mehr mögen oder begehren, ist zumindest bei einem die Attraktivität stark gesunken. Oft ist es am einfachsten, direkt daran zu arbeiten, schließlich haben sich die Partner ja (hoffentlich) mal sehr gewollt. Natürlich ist das Körperliche attraktiv, aber das hat sich meist nicht dramatisch verändert. Was das attraktive Verhalten angeht, sind die Wünsche an den Partner von Paar zu Paar erstaunlich ähnlich, und hier ist meist die "Baustelle". Im Praxisalltag sieht das dann so aus: Holger und Manuela kommen zu mir. Häufig ist es die Frau, die kaum noch Lust auf Sex hat. DAS Zeichen, dass die Attraktivität des Mannes in den Keller gegangen ist. Tatsächlich trifft sie bereits hin und wieder einen Anderen auf einen Kaffee. Es ist "noch" nichts passiert, aber das Signal an den Mann ist eindeutig: Tu etwas! Holger reagiert verständlicherweise auf dieses Verhalten erst einmal mit Verlustangst. Er fängt an zu klammern und versucht seine Frau zu kontrollieren. Unattraktiv! Richtig ist die innere Haltung: Ich bin ein cooler Typ...dein Pech wenn du mich nicht willst...ich will dass du "freiwillig" ohne Druck bei mir bleibst. Holger versteht und hört mit dem Kontrollieren auf, lässt los und die Situation entspannt sich. Gleichzeitig fängt er an, wieder schöne Dates mit seiner Frau zu planen. Das Umwerben der Frau ist eine der wichtigsten Aufgaben des Mannes, egal wie lange eine Beziehung schon besteht. Wir besprechen auch, dass er die Planung der Treffen übernimmt und schwierige Themen an einem solchen Abend vermeidet. Manuela ist erst etwas skeptisch, lässt sich dann aber drauf ein und die beiden kommen schon bereits deutlich besser gelaunt zum darauf folgenden Termin. Als nächstes besprechen wir Holgers häufige berufliche Abwesenheiten von zu Hause. Immer noch schickt er dann viel zu viele SMS, fragt danach was sie unternimmt, wie ihre Emotionen sind und macht auf dieser Ebene einfach zu viel. Gefühle zum anderen entwickeln sich auch - und machmal vor allem - in den Zeiten, wo man sich mal nicht sieht. Man überlegt was der andere macht und fängt an, den Partner zu vermissen. Und jemanden zu jagen, der einen fast verlassen will, ist keine gute Idee. Also empfehle ich Holger, dass er sie auch in der digitalen Kommunikation in ihrem Tempo auf sich zu kommen lassen soll, auch wenn die Beiden mal ein paar Tage nichts voneinander hören. In der Folge bessert sich die Situation weiter, die gemeinsamen Treffen laufen gut und führen auch wieder zu Sex. Holger hat immer noch Schwierigkeiten, in dieser scheinbaren passiven Rolle zu bleiben, aber der Erfolg hilft ihm, die neue Verhaltensweise durchzuhalten. Schließlich kommt es aber doch noch zu einer wichtigen Krise. Manuela hat immer noch Kontakt zum anderen Mann, und will mit ihm ausgehen als Holger keine Zeit hat. Er kommt deswegen in eine Einzelsitzung. Wir besprechen, dass er zwar nicht kontrollieren soll, aber definitiv für sich einstehen muss. Er darf nicht einfach grummelig hinnehmen, dass seine Partnerin für ihn wichtige Grenzen überschreitet. Nur wen man respektiert, kann man lieben. Und ein Partner, der sich alles gefallen lässt, wird nicht respektiert. Holger schafft es, auf eine ruhige Art für sich einzutreten. Das Treffen findet nicht statt. Die Beziehung bessert sich nun rapide und der andere Mann spielt auch immer weniger eine Rolle - tatsächlich war er wahrscheinlich nie wirklich als Ersatz geplant. In der letzten Sitzung wirken die beiden sogar regelrecht verliebt!
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