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Was ist gute Kommunikation in der Liebe

Was ist gute Kommunikation in der Liebe?

22.12.15


Passend zur Weihnachtszeit hier der Klassiker des Beziehungslebens mit der Frage: Was ist eigentlich gute Kommunikation und gelten besondere Regeln in einer Liebesbeziehung?
Die wichtigste Regel ist meiner Meinung nach, ehrlich mit dem Partner über wichtige Entwicklungen zu sprechen. Dabei ist es entscheidend, Mut zur Wahrheit zu zeigen und nicht der Versuchung des manchmal vermeintlich einfacheren Lügens zu erliegen. Das gilt besonders bei Affären. Was immer wieder alle „Betrogenen“ sagen ist, dass das Lügen und insbesondere die „Salami-Taktik“, wenn etwas scheibchenweise aufgedeckt wird, als viel schlimmer empfunden wird, als die Affäre an sich. Der Dalai Lama hat es sehr treffend formuliert: „Man braucht keine Religion, um zu erkennen, dass Lügen keine gute Idee ist.“
In der Paarbeziehung führen Lügen dazu, dass man wichtige Prozesse aufhält, die nur in Offenheit und Mut zur Reibung mit dem Partner aufgelöst werden können. Und zum Thema Wahrheit gehört auch, so zu reden wie einem der Schnabel gewachsen ist. Gute Paarkommunikation ist immer frisch und direkt, und nicht weichgespült oder „politisch korrekt“.
Die zweite Regel lautet: Hört auf zu diskutieren! Am häufigsten erlebe ich in meiner Praxis den Versuch, dass der eine Partner den anderen zu überzeugen versucht, dass seine Sicht auf die Welt die Richtige ist. Es ist nicht leicht zu akzeptieren, dass man keine gemeinsame Meinung über scheinbar banale Ereignisse findet. Leider gibt es in einer Beziehung - und nicht nur da - keine gemeinsame Realität. Es gibt nur Planet A und Planet B mit etwas gemeinsamer Sphäre, und keinen Schiedsrichter, der Dinge entscheidet. Diskutieren führt im schlechtesten Falle zu einem Schlagabtausch, bei dem es irgendwann nur noch darum geht, das eigene Gesicht zu wahren oder endlich verstanden zu werden, auch wenn man den anderen quasi mit dem Holzhammer “überzeugen“ muss. Besser funktioniert es, wenn man versucht zu verstehen, wie die Welt des Anderen aussieht. Das größte Hindernis dabei ist, dass man Verstehen mit Akzeptieren gleichsetzt. Insofern kann es ein guter Ansatz sein, einfach einmal stehen zu lassen, was der Partner sagt, insbesondere wenn es im Streit ist. Natürlich heißt das nicht, dass man alles hinnehmen soll. Doch wie macht man das am besten?

Helfen kann die dritte Regel: Löse dich von der „Du“-Kommunikation und verwende die „Ich“- oder „Wir“-Sprache. Nicht mehr „du machst dies und jenes, du bist hast ja die Schwäche xy“. Es ist wichtig, Themen aus der eigenen Perspektive anzusprechen und dann gemeinsam zu überlegen, wie man Dinge verändern kann. Dabei hilft das Grundprinzip von Beziehungen: Man ist nicht in einer Beziehung, um zu nehmen, sondern um zu geben und gemeinsam etwas zu schaffen, das man alleine nicht so gut erreicht.
Wichtig ist es, nicht zu vergessen, dass Männer und Frauen (oft) unterschiedlich kommunizieren. Es gibt das Klischee, dass Männer Problemlöser sind und bei jeder Schraube gleich „Schraubenzieher!“ denken. Und dass Frauen sich wünschen, dass man(n) ihnen zuhört, anstatt permanent Lösungsvorschläge zu liefern. Da ist tatsächlich viel dran. Insbesondere wenn man(n) es  zum Beispiel durch den Beruf gewohnt ist, den ganzen Tag Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen, fällt es schwer, einfach da zu sein und zuzuhören.
Hier stellt sich die Frage wieviel soll man kommunizieren? Dabei hilft es, folgendes zu beachten: Eigentlich geht es vorrangig gar nicht um Kommunikation. Sie ist,- wie viele andere Dinge in der Partnerschaft,- ein wichtiges Mittel zum Zweck, um wirklich Nähe zu erleben. Dabei zählt viel mehr die Qualität als die Quantität. Zum Feierabend zehn Minuten gemeinsam einen Tee zu trinken und dann erst in das Abendprogramm mit den Kindern zu starten, ist zum Beispiel ein wunderbares Ritual, das man jeden Tag umsetzen kann. Nicht nur die Kinder oder der Job brauchen Aufmerksamkeit, auch die Partnerschaft muss immer wieder „gepflegt“ werden. Und letztendlich ist Sexualität ebenfalls nichts anderes als Kommunikation. Was man sich hier nicht sagt, sagt man sich oft auch mit Worten nicht.



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