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Umprogrammierung des Liebeschips

Eine Vielzahl von meinen Klienten versuchen, aus dysfunktionalen Beziehungen herauszufinden. Oft stellen sie fest, dass sie ein bestimmtes Beziehungsmuster immer wieder zielsicher wiederholen. Dabei scheinen seinen sie blind immer wieder auf die gleichen (problematischen) Partner zu treffen. So findet vielleicht ein Mann mit einer alkoholkranken Mutter immer wieder Freundinnen mit Alkohol-Problemen, und dies obwohl diese anfangs nichts davon zeigten. Der Grund ist das sogenannte Imago, das heißt das innere, unbewusste „Suchbild“ vom Partner, welches in der Kindheit angelegt wird. Ich nenne dieses Suchbild lieber den „Liebeschip“.
Es ist eigentlich ganz einfach: Was wir als Kind oder Säugling vorgesetzt bekommen, speichern wir auf unserem Liebeschip als Liebe ab. Wenn wir nun in unserer Kindheit vielleicht schon ganz schwierige, schmerzhafte Bedingungen erfahren haben, programmieren wir unseren Chip gleichzeitig mit Liebe und Schmerz. In späteren Liebesbeziehungen suchen wir dann auch schmerzhafte Bedingungen (z.B. in einer On/Off Beziehung), und setzen den empfundenen Schmerz und die Intensität fälschlicherweise mit Liebe und Leidenschaft gleich.
Das Problem dabei ist, dass dieses ganze Programm in tiefen Schichten unseres Gehirns abläuft und und rationalem Denken kaum zugänglich ist. Das Ganze wird dann oft als „Beuteschema“ schulterzuckend abgetan. Aber leider führt dieses Schema zu immer den gleichen, gegebenenfalls frustrierenden Beziehungserfahrungen. Wenn wir jemanden finden, mit dem sich „alles richtig anfühlt“, der „der / die Eine ist“ usw, heißt es - leider - einfach nur, dass diese Person exakt auf unserem Liebeschip liegt, der nicht unbedingt die beste Programmierung hat.
Robert ist in meiner Praxis. Er kommt schon einige Zeit, und wir haben uns durch seine Beziehungshistorie gearbeitet. Wie es erstaunlich oft vorkommt, waren ihm die Ähnlichkeiten zwischen seinen Partnerinnen bisher kaum richtig aufgefallen. Solange man seinen Liebeschip nicht wirklich verstanden hat, ist man wie blind für das Muster, dem man folgt. Freunde hingegen fällt es oft leicht, die Zusammenhänge von außen.
In seinem Fall ist es immer wieder passiert, dass seine eigenen Bedürfnisse nicht erfüllt  werden und er sich eigentlich einsam in seinen Beziehungen gefühlt hat. Er konnte dies drauf zurück führen, dass er schon in der Kindheit aufgrund verschiedener Probleme seiner Eltern gelernt hat, dass er für andere da zu sein hat, und seine eigenen Bedürfnisse nicht viel zählen. Es ist immer wieder unglaublich, wie zielsicher wir unser Beuteschema erfüllen, als wenn wir einen Sender auf unserem Kopf haben,  der anderen verrät, wie wir ticken.
Robert war sich sicher, dass er nicht noch eine einzige weitere solche Beziehung haben will. Er wollte seinen Liebeschip umprogrammieren. Er lernte in der Beratung, dass er nun auch „mit dem Kopf“ eine neue Partnerin suchen muss, und sich nicht nur auf das Gefühl von „Chemie“ mit einander verlassen darf. Er überlegte, wie er schon früh erkennen kann, ob er sich wieder jemand sucht, der nicht wirklich für ihn da sein wird.
Nachdem er im Dating-Prozess ein paar mal nein sagen musste, traf er schließlich auf eine für ihn attraktive, aber irgendwie andersartige Frau. Er bemerkte schnell, dass sich die ersten Wochen ganz anders, ungewohnt anfühlten. Es fehlte das Drama, alles war viel ruhiger als sonst.
Obwohl sie eigentlich all das erfüllte was er sich wünschte (im Sinne von Verlässlichkeit, Offenheit, Zugänglichkeit) war er doch irritiert. Er fühlte nicht diese "Schock-Verliebtheit", kein obsessives Gedankenkarussel oder Adrenalinschübe, wenn unerwartet eine Herzchen-SMS eintrifft. Trotzdem genoss er die langsam strömende Zweisamkeit, die sich entwickelte. Wir besprachen, dass all dies die "Symptome" sind, wenn man außerhalb seines Musters datet. Im Verlaufe der nächsten Monate vermisste er schon den "Kick", den seine Drama-Kontakte im bereiteten. Aber er bemerkte gleichzeitig, wieviel glücklicher, ausgeglichener und arbeitsfähiger er war. Nach und nach folgte auch sein Gefühl, und er konnte zum ersten Mal erleben, wie sich eine sichere Beziehung anfühlt.
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